Mit der Ersterwähnung Ruhlsdorfs im Jahr 1299 begann eine einzigartige Historie, die den Ortsteil noch heute prägt und deren Spuren immer noch hier zu finden sind.

Eine detaillierte Übersicht über die Historie Ruhlsdorfs bietet die Broschüre "Aus der Zeitgeschichte Ruhlsdorfs - Eine Chronik von Otto Sommer", welche kostenlos in der Tourist Information der Stadt Teltow erhältlich ist und hier digital eingesehen werden kann. 

 

 

Entstehung des Dorfes

In einer markgräflichen Urkunde aus dem Jahr 1299 steht geschrieben, dass das Dorf Rueueltstorp neben der Stadt Teltow und weiteren sechs Orten des Bäketales dem Bischofe und Kapitel von Brandenburg wegen einer Schuldverschreibung versprochen wird. In einer nachfolgenden Urkunde aus dem Jahr 1308 geht Ruhlsdorf neben den erwähnten anderen Ortschaften vollständig aus der Herrschaft der askanischen Markgrafen in den Besitz des Brandenburger Bistums über. Das Landbuch von Kaiser Karl IV. im Jahr 1375 bestätigt diese Besitzverhältnisse und gibt Ruhlsdorf (hier Ruloffstorff) mit 50 Hufen an. Bezüglich der Anlage fällt Ruhlsdorf unter die so genannten Straßendörfer - wegen seiner Breite kann es auch als Straßenangerdorf angesehen werden.

Mit der Entstehung des Ortes ist gleichzeitig sein ältestes noch erhaltenes Bauwerk zu nennen. Die Ruhlsdorfer Feldsteinkirche mit eingezogenem rechteckigem Chor und Westturm am Dorfanger weist in seiner Bauart und den behauenen Granitquadern unzweifelhaft auf die  Mitte des 13. Jahrhunderts hin.

Der Wahl des Platzes entsprachen die natürlichen Gegebenheiten. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts betrug der Anteil der Waldfläche etwa ein Drittel der gesamten Feldflur. Erhebungen für das Betreiben einer Windmühle sowie für die Anlegung eines Weinberges waren nahe dem Kerndorf ausreichend vorhanden. Dazu kam eine Anzahl natürlich entstandener Teiche, die in Verbindung mit dem Schönower See in Teltow gestanden hatten. Schließlich und letztendlich wurde Ruhlsdorf an eine alte Verkehrsverbindung von Süd nach Nord gelegt, die bereits in der Zeit vor der Besiedlung und Ortsgründung eine große Rolle gespielt hatte. Eine Wegekreuzung an dieser Stelle entstand nun, indem die neuen Dörfer sich in West/Ost-Richtung  verbanden, beispielsweise von Sputendorf über Ruhlsorf nach Heinersdorf und Osdorf.

 

1400 bis 1800

Über die Zeit, als die Brandenburger Bischöfe die Herrschaft über Ruhlsdorf ausübten, ist wenig bekannt. Bereits Anfang des 15. Jahrhunderts vergaben die Landesharren Anteile von Ruhlsdorf als Lehen. So fiel das Eigentum an Ruhlsdorf allmählich wieder an die Brandenburgischen  Kurfürsten zurück. Die Besitzer der Ruhlsorfer Lehen, wie das Schulzengericht mit 4 Hufen, einen abgabefreien Hof mit 5 Hufen oder das Patrimoniat, wechselten seit dem Jahr 1400 recht häufig und bestanden fast ausschließlich aus vermögenden Berliner Bürgern. Als erster adliger Lehnsherr von Ruhlsdorf trat Henning von  Rathenow auf. Er war der Gründer eines Vorwerkes, das seine Söhne auf 11 Hufen unter Einziehung von drei Bauernhöfen vergrößerten.

Nach kurzeitigem Besitz des Dorfes durch Otto von Britzke erhielt nach ihm Georg Ernst von Stockheim die Belehnung im Jahr 1652 vom Kurfürst Joachim II. Von Stockheim schreibt in einem Brief, dass er Ruhlsdorf „ganz wüste“ antraf. Von den ehemaligen Bewohnern auf 12 Höfen und dem Müller- und Kruggut waren nur noch 8 Männer im Dorf anzutreffen. Bekannt und belegt ist, dass in den Jahren 1630 bis 1633 die Pest im Raum Teltow so gewütet hat, dass manche Dörfer fast leer gefegt waren. Der Ort blühte aber durch den (land-)wirtschaftlichen Aufschwung wieder auf, was auch in den Kirchenbüchern mit vermehrten Einträgen von Trauungen und  Kindstaufen nachzuverfolgen ist.

Christoff Ernst, Sohn von Georg Ernst von Stockheim, versah das Rittergut in Ruhlsdorf mit neuen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, außerdem ließ er eine neue Windmühle bauen sowie den Weinberg erneuern. In die Belehnungszeit der Familie von Stockheim fällt jedoch auch das so genannte Bauernlegen. Wie auf anderen Rittergütern der Mark eigneten sich die Grundherren den Besitz der freien Bauern an und führten so genannte Lassgüter ein. Den ehemals 11 Bauern mit ebenso vielen Höfen im Jahr 1624 standen 70 Jahre später 11 Kossäten auf unfreien Lassgütern, einschließlich streng geregeltem Hofdienst auf dem Rittergut, gegenüber.

Ein besonderer Glanz brach über Ruhlsdorf herein, als die Belehnung des Rittergutes an die adlige Familie von Thiele fiel. Gottfried von Thiele, Nachfolger seines Vaters Martin, ließ auf dem Gutshof entlang der Dorfstraße ein weiträumiges frühklassizistisches Herrenhaus erbauen, welches seinem Status als Hofmarschall in den königlichen Residenzen Berlin und Potsdam entsprach.

Auch in der Ruhlsdorfer Kirche hinterließen die von Thiele ihre Spuren, indem sie eine herrschaftliche Loge im Turmteil der Kirche errichteten, geschmückt und ausgemalt mit ihrem Wappen. Im Jahr 1777 erbte der Schwiegersohn, Leopold von Retzow, das Rittergut, das nach seinem Tod im Jahr 1803 zwangsversteigert werden musste. Anfang des 19. Jahrhunderts wechselten das Gut und seine Ländereien recht häufig seine Besitzer, bis es 1829 der letzte Käufer Emil Bouvier übernahm.

1800 bis 1920

Zwischen 1819 und 1823 gingen wichtige politische Veränderungen im preußischen Königreich nicht an Ruhlsdorf vorbei. Im Jahr 1819 entfielen die Naturalabgaben, die an den Gutsbesitzer hatten abgeführt werden müssen. Die Kossäten wurden von der Knute des Hofdienstes befreit. Mit der Verordnung zur Regulierung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse für die Provinz Brandenburg erfolgte 1823 die endgültige Befreiung der Bauern. Die Lassgüter wurden abgeschafft und von nun an konnten die Bauern wieder frei über ihr Eigentum an Hof und Ackerland verfügen.

Um 1850 begann die erste Phase einer Erweiterung des Dorfes über seine ursprüngliche Lage, an der heutigen Dorfstraße, hinaus - zuerst an der heutigen Teltower Straße und entlang der Sputendorfer Straße. Nach 1900 wuchs der Ort kontinuierlich, bis er an seine heutigen Grenzen stieß.

Die Geschichte des Ruhlsdorfer Rittergutes endete im Jahr 1890, als die Witwe Bouvier den Besitz und die Länderein an die Stadt Berlin verkaufte. Das ehemalige Herrenhaus des Ritterguts verschwand im Mai 1913 aus dem Ruhlsdorfer Ortsbild. Als die Stadt Berlin im Zusammenhang mit der Anlegung der Rieselfelder die Gutsbesitzungen in Ruhlsdorf erwarb, ließ sie es wegen Baufälligkeit niederreißen.

Die einsetzende Industrialisierung des nahe gelegenen Berlin machte sich im benachbarten Teltow, wie auch in Ruhlsdorf, dadurch bemerkbar, dass sich vermehrt Tagelöhner und Industriearbeiter im Ort wohnlich niederließen. Das verstärkte sich zu dem Zeitpunkt, als die Anhalter Eisenbahngesellschaft Arbeitskräfte suchte. Auch mit dem Beginn der planmäßigen Entwässerung des zur Großstadt heranwachsenden Berlin fanden Ruhlsdorfer Arbeit bei der Anlegung und Betreibung der Rieselfelder außerhalb und innerhalb der Feldmark Ruhlsdorf.

 

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