Von der Ackerbürgerstadt zum Technologiestandort

In über 750 Jahren Stadtgeschichte hat Teltow einen einzigartigen Wandel vom einstigen Ackerbürgerstädtchen bis hin zu einer florierenden, attraktiven Stadt vollzogen. Teltow steht für eine bewegte Historie, eine zukunftsorientierte Gegenwart und eine vielversprechende Perspektive.

 

1265 - Stadtrecht und erste urkundliche Erwähnung

Die Stadt Teltow bekam am 06. April 1265 von dem askanischen Markgrafen Otto III. die gleichen Rechte wie die Städte Brandenburg, Berlin und Spandau verliehen. Dies bedeutete gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung der Stadt. In der Folgezeit entwickelte sich Teltow zu einer ausgesprochenen Ackerbürgerstadt.

1300 bis 1500

1375 fand die Stadt im Landbuch Kaiser Karls IV. als Mediatstadt Erwähnung. Es gab 3 Windmühlen und eine Wassermühle. Zudem war in der Stadt die Kirch-, Ritter-, Quer-, Linden-, Grün-, Gärtner-, Mittel- und Machnowsche Straße vorhanden, ferner die Seegasse, der Markt und die Sandgasse. Etwa 800 Personen lebten in 119 Familien. Die Haupterwerbsquellen waren der Ackerbau, die Viehzucht, das Brauen, die Brennerei und verschiedene Handwerke.

Für einen gewissen Wohlstand spricht aber das Wirken eines „Kalands“, eine seit dem 13. Jahrhundert bestehende Bruderschaft. Die Männer und Frauen der Kalandsgesellschaft kamen am ersten Tag des Monats zusammen, hielten Andachten ab und widmeten sich sozialen Aufgaben. Hans von Berne wurde 1438 als Lehnrichter in den Kaland aufgenommen. 1468 kam Teltow unter die Lehensherrschaft der Familie von Schwanebeck. Zu den bereits vorhandenen Gewerken der Bäcker, Schlächter, Schneider und Schuhmacher entstanden unter Kurfürst Joachim II. die Zünfte der Schmiede, Garnweber, Tischler, Zimmerer, Maurer und Drechsler.

1500 bis 1800

Teltow gehörte zu jener Zeit dem Bischof von Brandenburg. Mit dem Übertritt des Bischofs Matthias von Jagow und des Lehnrichters Joachim von Schwanebeck zum Luthertum endete am 31. Oktober 1539 der Kaland. 1571 ging die Stadtherrschaft nach der Reformation wieder an den Kurfürsten zurück. Zur gleichen Zeit wurde die Stadt der Verwaltung des Domänenamtes Ziesar mit Sitz in der Burg Ziesar unterstellt.

Durch verheerende Brände in den Jahren 1520, 1573, 1612, 1643, 1672, 1711 und 1801 wurde die Stadt mehrmals fast gänzlich vernichtet. Die Pest wütete 1566 in Teltow, später forderte die Seuche nochmals in den Jahren 1612, 1626, 1631 und 1638 ihre Opfer.

Plünderungen während des 30-jährigen Krieges werden für die Jahre 1631, 1634, 1637 und 1640 überliefert. Als Folge des Krieges war Teltow 1652 entvölkert und zählte nur noch 27 Hufner und 39 Gärtner.

Die Stadt war von Doppelwällen umgeben, die mit Eichen bepflanzt waren. Im Osten wurden die Wälle durch das Berliner Tor und im Westen durch das Machnower Tor (später Potsdamer Tor) durchbrochen. An der Handelsstraße Wittenberg-Saarmund-Berlin-Cöln dienten diese Tore der Kontrolle des Verkehrs und wurden erst 1816 beseitigt.

Nach dem großen Brand von 1711 entdeckten die Teltower Ackerbürger eine Möglichkeit, sich bescheidenen Wohlstand zu schaffen. Es begann der Anbau des „Teltower Rübchens“ in großem Umfang. Eine Legende berichtet über das Eindringen einer Schweineherde, die einem Amtmann gehörte, in das Rübchenfeld eines Bauern. Daraus entwickelte sich ein so großer Streit, dass er vor den König gebracht wurde.

1800 bis 1900

Bis 1808 die Stein-Hardenbergschen Reformen eine neue Städteordnung mit sich brachten, wurde die Entwicklung der Stadt Teltow weitestgehend von den Familien von Schwanebeck und von Wilmersdorf bestimmt.

Am 17. August 1801 erfolgte ein weiterer verheerender Einschnitt: In der Ritterstraße brach ein Feuer aus, welches innerhalb von wenigen Stunden den überwiegenden Teil der Häuser vernichtete oder schwer beschädigte. Die vollständig zerstörte St. Andreaskirche wurde in den folgenden Jahren jedoch nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel wieder aufgebaut und am 13. September 1812 eingeweiht.

Ab dem Jahre 1813 konnten die Teltower Bürger über einen frei gewählten Magistrat ihre Geschicke selbst bestimmen. 1815 wurde Teltow Kreisstadt des neu gebildeten Landkreises Teltow. Dazu wurde 1819 das Landratsamt in der Ritterstraße eingerichtet. Das Stadtgericht wurde 1827 zum Königlichen Stadtgericht mit weit reichenden Vollmachten erhoben.

Außerhalb der Stadt entstand 1856 das Gut Seehof. Zwischen 1872 und 1890 wurden am Ufer des Teltower Sees große Villen und ein Kurhaus errichtet. Es entstand zudem eine Badeanstalt.

Zum Bedauern der Teltower Bürger wurde im Jahre 1870 das Landratsamt von Teltow nach Berlin verlegt. Trotzdem ging der Aufschwung in der Stadt weiter. Sie vergrößerte sich und erhielt moderne Verkehrsanbindungen. 1888 wurde die Dampfstraßenbahn von Groß-Lichterfelde nach Teltow eröffnet.

Anfang des 20. Jahrhunderts - Bau des Teltowkanals und Beginn des Industriezeitalters

Die Anbindung der Stadt an die Anhalter Bahn erfolgte im Jahre 1901 mit der Eröffnung des Bahnhofs Teltow. Im gleichem Jahr wurde das Magdalenenstift, das heutige Diakonissenhaus, an der Lichterfelder Allee gegründet.

Am 22. Dezember 1900 erfolgte der Spatenstich für den Bau des Teltowkanals - eine für den Schiffbau überaus wichtige Verbindung zwischen Havel und Spree. Durch die im Zuge der Bauarbeiten verursachte Absenkung des Grundwasserspiegels verschwanden der Schönower- und der Teltower See sowie der Bäkefließ. Mit der Fertigstellung im Jahr 1906 erhielt Teltow Anschluss an die märkischen Wasserstraßen. Die Stadt ehrte den Landrat Ernst von Stubenrauch, der als Initiator des Bau des Teltowkanals gilt - durch ein Denkmal und die Ehrenbürgerschaft.

1907 wurde das Schifferkinderheim als Schule und Internat für die Kinder der Binnenschiffer eröffnet. 1909 entstand der Teltower Hafen mit Gleisanschluss. Außerhalb der Stadt, am Großbeerener Weg, wurde 1911 ein Flugfeld als Versuchsflugplatz angelegt, auf dem erste Übungsflüge zwischen Teltow und Johannisthal stattfanden. Bereits während des Teltowkanalbaus siedelte sich 1904 eine Porzellanfabrik an. Ihr folgten 1910 die Deutschen Asbestwerke, 1911 die Biomalzfabrik, 1913 die Seifen- und Parfümerie-Fabrik Gustav Lohse, 1920 die Maschinenbau AG Curt von Grueber und 1927 das Bitumus-Kaltasphaltwerk.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Schlacht bei Großbeeren wurde 1913 das Kriegerdenkmal am Zickenplatz eingeweiht. Ein Ehrehain für die 155 Teltower Opfer des Ersten Weltkrieges wurde 1927 errichtet.

Nach 1945 - Neuaufbau

Ein schwerer Neuanfang begann. Teltow konnte mittlerweile rund 10.000 Einwohner aufweisen. Dazu kamen etwa 3.000 Flüchtlinge und Vertriebene, die sich in der Stadt aufhielten. Die vordringlichste Aufgabe bestand in der Versorgung der Menschen mit Nahrung und Unterkunft. Durch die Befehlshaber der Roten Armee wurden deutsche Kommunisten und Antifaschisten mit der Wiederherstellung eines einigermaßen normalen Lebens betraut. Danach erfolgte der Wiederaufbau der Industrie. Die von den sich zurückziehenden deutschen Einheiten zerstörten Teltowkanalbrücken wurden wieder instand gesetzt. Verkehrsverbindungen, wie die Eisenbahn und die Straßenbahn, wurden wieder nutzbar gemacht.

Mit der Gründung des Instituts für Faserstoff-Forschung im Jahre 1949 wurde eines der ältesten wissenschaftlichen Institute der DDR ins Leben gerufen und Teltow-Seehof wurde Forschungsstandort. Bis in die 1950er Jahre litt die Teltower Bevölkerung unter den Folgen des Krieges. Nachdem unter großen Entbehrungen wieder Grundlagen für einen Neuaufbau geschaffen waren, konnte sich Teltow erneut industriell und landwirtschaftlich entwickeln. Die vorhandenen Industrieanlagen konzentrierten sich auf die Entwicklung der Elektro- und Elektronikindustrie. Durch eine Verwaltungsreform im Jahre 1952 in der ehemaligen DDR wurde der Kreis Teltow aufgelöst und die Stadt Teltow dem Landkreis Potsdam-Land zugeordnet. 1953 wurde das ehemalige DRALOWID-Werk in VEB Elektronische Bauelemente für die Funk- und Fernsehtechnik umbenannt. 1954 erhielt das Mechanik-Askania-Werk den Namen VEB Geräte- und Reglerwerk Teltow.

Ab 1960 - neue Formen der Landwirtschaft

Auf dem Gebiet der Landwirtschaft wurde neben dem Vorhandensein einer Vielzahl von Einzelerzeugern 1959 die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft „Immergrün“ für den Anbau von Obst und Gemüse gegründet. Als am 13. August 1961 die Berliner Mauer errichtet wurde, brachte das für Teltow einschneidende Veränderungen mit sich - beispielsweise die Umstellung auf neue Verkehrswege, die nicht mehr durch Westberlin führen konnten. Durch die Entwicklung von Industrie und Landwirtschaft entstanden der Stadt Probleme hinsichtlich der Beschaffung von Wohnraum. In den Betrieben der Elektroindustrie waren mittlerweile insgesamt 20.000 Menschen beschäftigt, die zum größten Teil Pendler waren. Der Wohnungsbau nahm in der weiteren Entwicklung der Stadt einen großen Raum ein. 

1970 bis 1994 - Wohnungsbau, Wende und neues Gewerbegebiet

In unmittelbarer Nähe zu den inzwischen zu Großbetrieben gewachsenen Industrieansiedlungen wurde ab 1970 ein Wohngebiet mit entsprechenden Nachfolgeeinrichtungen erbaut. Daneben bestand die Möglichkeit, individuell Eigenheime zu errichten. Als Abschluss eines Wohnungsbauprogramms wurde 1987 der Grundstein für ein Wohngebiet am Ruhlsdorfer Platz gelegt.

Am 9. November 1989 erfolgte die Öffnung der Staatsgrenze der ehemaligen DDR zu Westberlin. Der erste offizielle Grenzübergang wurde in Teltow am Ende der Lichterfelder Allee nach Lichterfelde hergestellt. Mit dem politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch der DDR stand die Stadt vor vollkommen neuen Aufgaben. Die Schwerpunktbetriebe der Elektronik erwiesen sich als veraltet und nicht marktfähig. Auf dem Gebiet der ehemaligen Großbetriebe zwischen Potsdamer Straße und Oderstraße wurde zwischen 1991 und 1994 das größte innerstädtische Gewerbegebiet Brandenburgs geschaffen. Andere Betriebe verschwanden vom Markt oder wurden unter vollkommen veränderten Verhältnissen weitergeführt. Allmählich wandelte sich die Infrastruktur der Stadt Teltow wesentlich. Von Vorteil war hierbei insbesondere die Randlage zu Berlin.

1994 bis Heute - Sanierung Altstadt, Ortsteil Ruhlsdorf, S-Bahnverbindung

Erstmalig mit dem Ende des Krieges wurden Überlegungen zur Erhaltung der Altstadt angestellt. Durch subventionierte Wohnungsbauten konnte die Wohnungsnot beseitigt werden - die Basis für eine Zunahme der Bevölkerungszahl war geschaffen. 1994 wurde dann die Gemeinde Ruhlsdorf durch Bürgerentscheid zum Ortsteil der Stadt Teltow. Im Jahre 1999 zählte die Stadt Teltow knapp 16.500 Einwohner. Zum Zweck der Entwicklung von Verkehr, Stadtentwicklung und Umweltangelegenheiten wurde die „Lokale Agenda 21“ gegründet. Gleichzeitig erfolgte auch die Gründung des „Fördervereins für das Teltower Rübchen“, der sich bis heute für die Neubelebung des Anbaus und die Vermarktung sowie für die Aufklärung zur Echtheit dieser beliebten Saisonfrucht einsetzt.

Durch die intensive Förderung vorhandener Vereine und die Gründung neuer Interessengemeinschaften wurde das kulturelle und sportliche Leben auf ein hohes Niveau gebracht. Die Nähe zur Bundeshauptstadt bewirkte, dass namhafte Unternehmen ihren Sitz bzw. Vertretungen in Teltow errichteten. Auch Einrichtungen des Landes Brandenburg, wie zum Beispiel die AOK, ließen sich in Teltow nieder. Ein entscheidender Schritt zur engeren Verbindung zwischen der Stadt Teltow und der Hauptstadt Berlin wurde mit der Eröffnung der S-Bahn-Strecke zwischen Teltow und Lichterfelde-Süd im Jahr 2005 getan.

Wappengeschichte

Die heutige Wappensymbolik der Stadt Teltow, den brandenburgischen Adlerschild, zeigt bereits das älteste überlieferte Stadtsiegel an einer Urkunde im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin aus dem Jahre 1289. Auch im Brandenburgischen Landeshauptarchiv lässt sich dieses Siegelbild an einer Urkunde der Spandauer Rolandsbrüder vom Jahre 1337 nachweisen. Über Jahrhunderte blieb dieses Siegelbild dann konstant. Noch im Jahre 1724 erschien der Adlerschild in einem im Brandenburgischen Landeshauptarchiv vorhandenen Lacksiegel.

Erstmalig wurde 1791 ein anderes Siegelbild mit einem fliegenden, gekrönten Adler, der rechts ein Schwert und links eine Waage in den Fängen hält, durch Bürgermeister und Ratmänner verwendet, das wahrscheinlich von einem Gerichtssiegel übernommen wurde. Schließlich tauchte 1814 als Siegel- und Wappenbild eine rote Burg mit drei offenen Toren auf, in deren Mitteltor eine goldene Königskrone schwebte.

Aufgrund der Bemühungen des Bürgermeisters Paleske und der Beratung durch den Berliner Heraldiker A. M. Hildebrandt besann sich die Stadt Teltow auf das alte Stadtsiegel mit dem brandenburgischen Adlerschild und nahm dieses 1912 als neues Stadtwappen an. Damals erhob sich über dem Wappen noch eine dreitürmige Mauerkrone, die jedoch als Relikt der heraldischen Verfallszeit des 19. Jahrhunderts im Jahre 1994 abgeschafft wurde. Die derzeitige Form des Wappens der Stadt Teltow wird wie folgt beschrieben: In Rot zwischen zwei silbernen Eichenzweigen mit je zwei Blättern und fünf Früchten und überhöht von einem mehrstrahligen silbernen Stern ein silberner Dreiecksschild mit einem goldbewehrten roten Adler.

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