Die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Zeit in Teltow erfolgte lange nur punktuell, vor allem, weil der Mythos eines vermeintlichen Brandes im Teltower Stadtarchiv, in Wirklichkeit aber eine gezielte Aktenvernichtung zum Kriegsende oder kurz danach, Forschungen von vornherein aussichtslos erscheinen ließen. Es bedurfte einer langjährigen, aufwendigen Rekonstruktion der Geschichte dieser Zeit durch Quellen aus anderen Archiven, die zu umfassenden Ergebnissen führte. Bislang galt Teltow in den 1920er-Jahren als politisch „rote“ Stadt mit starken sozialdemokratischen und kommunistischen Kräften. Neueste Forschungen zeigen nun ein differenzierteres Bild: Nationalsozialistische Ideen fanden auch hier schon vor 1933 Unterstützung. Die bereits 1926 gegründete NSDAP-Ortsgruppe und weitere NS-Organisationen gewannen schnell zahlreiche Mitglieder. Vor allem jüngere Männer, darunter viele Angestellte und Verwaltungsmitarbeiter, schlossen sich der Partei an. Nach der Machtübernahme wuchs die NSDAP-Ortsgruppe so deutlich, dass 1938 eine weitere Ortsgruppe in Teltow-Seehof gegründet wurde. Bei der Gegnerbekämpfung war die schnell anwachsende SA, zuletzt der Sturm 31/206, als verrohte Schlägertruppe und Hilfspolizei gefürchtet. Die SS, insbesondere der Sturm 7/80, ging ebenso brutal gegen Regimegegner vor. Der SS-Sturm hatte sein Sturmlokal in der Ritterstraße 21, wo sich auch die Geschäftsstelle der SA befand. Er bestand mehrheitlich aus jungen Männern, die beim Eintritt in die SS zwischen 15 und 25 Jahre alt und Arbeiter und Handwerker waren. Politische Gegner wurden verhaftet und in Gefängnisse und Konzentrationslager gebracht, wodurch der Widerstand weitgehend zerschlagen war. Auch die jüdischen Einwohner Teltows waren seit 1933 zunehmender Ausgrenzung, Verfolgung und Deportation ausgesetzt. Zu den Opfern des Terrors gehörten Sozialdemokraten, Kommunisten, zudem Homosexuelle sowie Menschen mit Behinderungen, die den nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen zum Opfer fielen. Unter dem NS-Bürgermeister Curt Pilling wurde Teltow im Sinne des Regimes städtebaulich weiterentwickelt. Infrastrukturmaßnahmen und neue Wohngebiete entstanden, wobei die Stadt auch von der Enteignung jüdischer Bürger profitierte. Das Kriegsende im April 1945 war von Kämpfen, Angst vor Vergeltung der herannahenden Roten Armee, Flucht und zahlreichen Selbstmorden geprägt. Der Wiederaufbau erfolgte zunächst unter sowjetischer Besatzung und dann in der DDR. Erst nach 1989 konnte Teltow an den Freiheiten einer parlamentarischen Demokratie teilhaben.
Am Ende des 2. Weltkrieges 1945 zählte Teltow über 460 zivile Opfer, zusätzlich kamen auch über 44 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene ums Leben. Sie waren eingesperrt in fünf kleineren Lagern in und am Rand der Stadt sowie einem großen Lager im Dralowidwerk, dem ehemaligen Porzellanwerk.
Buchtipp: „» Bereitwillig mitgemacht? « – Teltow im Nationalsozialismus 1933-1945“
Das wissenschaftliche Werk erschien im Dezember 2025 im BeBra Verlag. Die Historikerin und Vorsitzende des Vereins „Geschichtswerkstatt Teltow“, Dr. Gabriele Bergner, forscht seit mehr als einem Jahrzehnt zur Geschichte Teltows im 20. Jahrhundert und widmet sich dabei vorrangig der Betrachtung der Geschichte der jüdischen Bevölkerung in der Region. Unter ihrer Leitung ist das wissenschaftliche Ergebnis einer über zehnjährigen ehrenamtlichen Arbeit einer Autorengruppe entstanden, die sich explizit der Rolle der Stadt Teltow im Nationalsozialismus widmet. Dabei legt Teltow als eine der ersten Städte in Brandenburg den Grundstein für die historische Aufarbeitung und Einordnung der NS-Zeit in der eigenen Stadtgeschichte.
Quellen: Heimatverein Teltow, Frank-Jürgen Seider, Dr. Gabriele Bergner