Kultur, Medien und Politik – das war der Dreiklang im öffentlichen Leben von Eberhard Derlig. Mit großer Betroffenheit und Traurigkeit müssen wir nun Abschied nehmen von diesem unverwechselbaren Teltower, der die Stadt in seiner ganz eigenen Weise über Jahrzehnte geprägt hat. Eberhard Derlig war eine starke Stimme, unüberhörbar in vielen Debatten, die in der Stadtgesellschaft geführt wurden. Diese Stimme ist nun für immer verstummt und wird doch in unserem Gedächtnis haften bleiben.
Unzählig sind seine Verdienste um das kulturelle Leben in unserer Stadt. Von 1986 an, mitten aus dem Potsdamer Kulturleben nach Teltow kommend, bis ins Jahr 2003, also mehr als 16 Jahre lang, war Eberhard Derlig in der Stadtverwaltung verantwortlich für den Bereich Kultur. Vor allem ihm ist es zu verdanken, dass Teltow mit der Jugendkunstschule 1992 einen Ort der Kreativität für alle Generationen erhalten hat. Zunächst richtete er die Schule im Obergeschoss des „Schwarzen Adlers“ ein mit kleinem Theatersaal, Mal- und Zeichenzirkeln, Töpferwerkstatt, Theatergruppe sowie Foto- und Videokursen für Kinder und Jugendliche von 7 bis 25 Jahren. 1997 erfolgte der Umzug in das Obergeschoss der umgebauten ehemaligen Feuerwache in der Ritterstraße. Dort im Bürgerhaus setzt sich die Erfolgsgeschichte der Jugendkunstschule bis zum heutigen Tag fort.
Die Teltower Kunstszene, die mit Hans-Jürgen Brauer und Kurt Zieger – um nur zwei Protagonisten zu nennen – eine außergewöhnliche Qualität erreichte, wäre ohne den Impulsgeber und Ausstellungsorganisator Eberhard Derlig über viele Jahre nicht denkbar gewesen. Die regelmäßigen Ausstellungen im Rathaus und im Bürgerhaus haben ihre Wurzeln in seinem Wirken. Er war Motor, Antreiber und kreativer Kopf zugleich. Sein Wort galt. Und wenn er auch seinen Mitstreitern manches Mal mit harter Hand und klarer Ansage den Weg wies – er tat es, weil er ein großes Herz für die Kunstschaffenden hatte, weil er ihren Erfolg befördern und dem Publikum unvergessliche Erlebnisse bereiten wollte.
Bleibend wird auch der Grundstein sein, den Eberhard Derlig für das legendäre Teltower Altstadtfest gelegt hat. Seine Kontakte zu Bands und Musikern waren unverzichtbar, um das Fest zum Tag der Deutschen Einheit zu einem nachhaltigen Erfolg zu machen. Dafür stand er mit seiner ganzen Kraft Jahr für Jahr persönlich ein. Aus dem Altstadtfest ist inzwischen das größte Volksfest rund um den 3. Oktober in Ostdeutschland geworden. Zehntausende Besucher zieht es in jedem Jahr aufs Neue an. Das zeigt, dass Eberhard Derligs Idee, der Freude über die erreichte Einheit nach dem Mauerfall in Teltow ein bleibendes Denkmal zu setzen, goldrichtig war. Sein Stadtfest ist nun zu seinem eigenen Denkmal geworden.
Auch als Teltow sich nach außen öffnete und seine Städtepartnerschaften nach Frankreich, Polen und Westfalen aufbaute, war Eberhard Derlig maßgeblich beteiligt. Als einer der Gründer des Partnerschaftsvereins „Teltow ohne Grenzen“ organisierte er die Begegnung zwischen den Menschen und förderte vor allem den Austausch auf kulturellem Gebiet.
Von 2003 bis 2019 war Eberhard Derlig auch Stadtverordneter in Teltow. In dieser Zeit haben ihn die Menschen aber vor allem als den „Mann mit Hut und Kamera“ erlebt. Mit der Gründung des lokalen TV-Senders „Teltowkanal“ schuf sich Eberhard Derlig einen ganz neuen Zugang zu den Menschen und Geschehnissen in der Stadt. Er wurde zum „Chronist mit der Kamera“, hielt fest, was sich ereignete und wie sich Teltow im Laufe der Jahre veränderte. Dokumentationen wie der Film über die legendäre Straßenbahnlinie 96 haben den gelernten Regisseur noch einmal herausgefordert. Sein filmisches Werk fand Eingang ins kollektive Gedächtnis der jüngeren Teltower Vergangenheit.
Nun ist Eberhard Derlig im Alter von 83 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Stadt Teltow eine prägende Gestalt, einen Kultur- und Menschenfreund, als der er uns immer in Erinnerung bleiben wird. In Dankbarkeit werden wir sein Andenken ehren. Seiner Ehefrau und Familie gilt unser tief empfundenes Mitgefühl.
Jürgen Stich
Fachbereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit, Kultur, Bildung und Soziales
für die Stadtverwaltung Teltow