Was steckt hinter dem Schatzfund in Teltow?

400 Münzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert wurden auf einem Grundstück in Teltow entdeckt. Das Landesdenkmalamt hat den Schatz jetzt gesichert.

Beim Aushub der Baugrube für ein Mehrfamilienhaus in der Potsdamer Straße in Teltow zerschlug die Baggerschaufel ein Gefäß und einige Münzen fielen in den Sand. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht zu ahnen, dass in dem Gefäß über 400 Münzen verborgen waren.

Der der mit einem Boden eines weiteren Gefäßes abgedeckte 15 Zentimeter hohe Topf ist nach Angaben des Landesdenkmalamts typisch für das 16. und das 17. Jahrhundert. Das Grundstück an der Alten Potsdamer Straße grenzte in dieser Zeit an den Teltower Stadtwall.

Im Topf lagen ausschließlich silberne Groschen aus der Zeit zwischen 1539 und 1633, die jeweils bei etwa 20 Millimeter Durchmesser etwas weniger als 2 Gramm wiegen. 261 der Münzen datieren zwischen 1572 und 1609. Sie wurden in unterschiedlichen Münzprägestätten geprägt, wie etwa in der Grafschaft Schaumburg, im Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf, in Göttingen, Hameln und Ravensberg. Neben diesen aus dem heutigen Niedersachsen und Schleswig-Holstein stammenden Münzen kommen 17 aus Magdeburg und nur fünf aus Brandenburg. Weitere 44 Münzen datieren in den Dreißigjährigen Krieg zwischen 1623 und 1633. Münzherren waren die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg. Die restlichen Münzen konnten bisher noch nicht bestimmt werden.

1633 kam die letzte Münze in den Topf. 1634 plünderten Kaiserliche Truppen Teltow. Möglicherweise waren die Münzen im Vorfeld dieser Ereignisse versteckt worden. Der ehemalige Besitzer konnte sein Münzvermögen offenbar nicht mehr bergen. Erst über 380 Jahre später kam das Münzgefäß nun wieder ans Tageslicht.

Eine Theorie zum Besitzer der Münzen: Man kann davon ausgehen, dass das Grundstück einem Handwerker dieser Zeit gehörte. Darauf deutet die Lage am Stadtwall hin. Weil in den 1640er Jahren in Teltow neben den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges auch noch die Pest wütete, muss man davon ausgehen, dass dieser Mann der Seuche zum Opfer fiel und er sein Wissen um die vergrabenen Münzen nicht mehr weitergeben konnte.

Münzen der Zeit von 1610 bis 1622 fehlen. Dieser Zeitraum ist von einer extremen Münzverschlechterung geprägt („Kipper- und Wipperzeit“). Es entstanden viele neue Münzprägestätten, die nur schon vorhandene Silbermünzen nutzten, um sie mit gleichem Münzwert, aber weniger Edelmetall- und mehr Kupfergehalt erneut auszugeben – man machte aus vorhandenem Geld mehr Geld und geriet so in eine Inflation. Seit 1623 wurden wieder „Gutegroschen“ geprägt, zu denen auch die Teltower Münzen gehören.

Groschen waren kleine Münzwerte für den regionalen Markt. 400 Silbergroschen waren im 17. Jahrhundert ein bedeutendes Vermögen. Ein Zimmermann verdiente sieben Groschen am Tag und ein Paar Schuhe kostete 18 Groschen.

Dass die Münzen einen Zeitraum von 62 Jahren bis zur Niederlegung abdecken, kann mehrere Gründe haben. Sicher wurde ein Teil des Vermögens über mehrere Generationen zusammengetragen, der lange Zeitraum zeugt aber auch vom Wert „guter“ Groschen – unabhängig von deren Alter.

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