Teltow gedenkt der Opfer der deutschen Teilung

Mit einer würdevollen Zeremonie an den Gedenkstelen an der Knesebeckbrücke hat die Stadt Teltow am 13. August der Maueropfer gedacht.

Die Stelen an der Knesebeckbrücke erinnern an die Maueropfer Peter Mädler und Karl-Heinz Kube. Foto: Stadt Teltow

Beate Rietz (r.) und Stadtverordnete bei der Gedenkfeier. Foto: Stadt Teltow

Das Gedenken fand in der Nähe der Stelle statt, an der 1963 Peter Mädler und 1966 Karl-Heinz Kube bei ihren Fluchtversuchen im Teltowkanal erschossen wurden. Am ehemaligen Mauerstreifen an der Knesebeckbrücke sind zwei Stelen errichtet worden. Dort versammelten sich Stadtverordnete, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und ein Bruder des erschossenen Karl-Heinz Kube, um Kränze und Blumen niederzulegen.

Die Erste Beigeordnete der Stadt Teltow, Beate Rietz, hielt die Gedenkrede:

"Es ist gut und richtig, dass wir uns als Vertreter der Stadt Teltow seit vielen Jahren an jedem 13. August hier versammeln und derer gedenken, die durch das Grenzregime der DDR ihr Leben lassen mussten. Und wir sind nicht allein. An vielen anderen Orten, wo bis 1989 die Berliner Mauer stand, kommen heute Menschen zusammen. Sie erinnern an das Schicksal der weit mehr als 100 Opfer dieser unmenschlichen Grenze, die auch genau an dieser Stelle verlief und ihren Schrecken verbreitete.

Peter Mädler war ein Waisenkind und wuchs bei Pflegeeltern in Hoyerswerda auf. Mit 18 Jahren trat er 1961 eine Stelle im Geräte- und Reglerwerk Teltow an. Am 13. August jenes Jahres wurde die Grenze geschlossen und schussbereite Grenzpolizisten nahmen am Teltowkanal ihre Posten auf den Wachtürmen ein. Vom Dach seines Betriebes aus konnte Peter Mädler über den Kanal hinweg bis nach Zehlendorf sehen. Als der Waise erfuhr, dass Verwandte in West-Berlin lebten, entschloss er sich zur Flucht. Er war 19 Jahre alt, als er in der Nacht zum 26. April 1963 in Kleinmachnow - dort, wo heute das Augustinum steht - in den Teltowkanal stieg und in Richtung Teltowwerft schwamm. Der alte Bauhafen war West-Berliner Gebiet. Doch zehn Meter vor dem Hafeneingang wurde Peter Mädler entdeckt. „Nicht schießen“, soll er den beiden DDR-Grenzpolizisten noch zugerufen haben, bevor er tödlich getroffen wurde und ertrank.

Karl-Heinz Kube war erst 17 Jahre alt, als ihn die Kugeln der Grenzsoldaten tödlich trafen. Er ist in Ruhlsdorf aufgewachsen, arbeitete später im VEB Industriewerk Ludwigsfelde. Karl-Heinz Kube war unangepasst. Er liebte die Musik der Beatles, sehnte sich nach Freiheit. Gemeinsam mit einem Freund wagte er am 16. Dezember 1966 die Flucht. Und wieder war es das scharf bewachte Grenzgebiet an der Teltowwerft, das zur tödlichen Falle wurde. Sein Freund überlebte, doch der unbewaffnete Karl-Heinz Kube wurde erschossen.

An diese beiden jungen Menschen erinnern die Stelen, an denen wir uns heute versammelt haben. Ihr kurzes Leben habe ich aber auch deshalb geschildert, um dem Schrecken, den die Grenze bedeutete, ein Gesicht zu geben. Denn bei aller wissenschaftlichen Aufarbeitung der deutsch-deutschen Teilung, die in den vergangenen Jahrzehnten viele Erkenntnisse ans Licht gebracht hat, dürfen wir eines nicht vergessen: Hier haben Menschen auf Menschen geschossen. Leben sind ausgelöscht worden unter Berufung auf Befehl und Gehorsam. Unter Berufung auf ein System, das diejenigen zerstörte, die sich nach Freiheit sehnten, die ihre eigenen Träume hatten.

Heute könnte dieser Ort, könnte der langsam dahinfließende Teltowkanal wohl friedlicher kaum sein. Seine Ufer sind zu neuem Leben erwacht. Die Grenzanlagen sind weggeschafft. Mit der friedlichen Revolution haben sich die Bürger der ehemaligen DDR 1989 selbst befreit. Wir stehen hier im wiedervereinigten Deutschland nun an einem Ort, der seinen einstigen Schrecken vollständig verloren hat. Dafür sind wir dankbar. Diese Dankbarkeit verpflichtet uns aber gleichzeitig dazu, die Erinnerung zu bewahren.

Deshalb kommen wir Jahr für Jahr am 13. August hier zusammen. Weil wir nicht vergessen wollen, dass es eine Zeit gab, in der Freiheit nicht selbstverständlich war. Weil wir Peter Mädler und Karl-Heinz Kube nicht vergessen wollen. Die beiden jungen Männer, die hier erschossen wurden, nur weil sie ihren eigenen, freien Weg gehen wollten. Die Opfer der Berliner Mauer bleiben uns eine Mahnung. Die würdige Erinnerung an sie bleibt uns Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft."

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