Sehenswertes
1. Teltow
Wussten Sie eigentlich, falls Sie aus Richtung der Berliner Innenstadt kommen, dass Sie sich bereits schon lange auf dem Teltow befinden?
Die sogenannte Teltower Grundmoränenplatte wird im Norden von der Spreeniederung, im Westen von der Nuthe, im Osten von der Dahme und im Süden vom Baruther Urstromtal begrenzt. Der Name ist vermutlich aus dem Slawischen herzuleiten und seit der Inbesitznahme durch die Askanier, einem ostsächsischen Fürstengeschlecht, im 13. Jahrhundert überliefert.
Schon Theodor Fontane hat dieses abwechslungsreiche, geschichtsträchtige Gebiet als Gewerbeschüler besucht. Damals hatte ihm sein Deutschlehrer den Auftrag erteilt, einen Aufsatz freier Wahl zu schreiben. Das bereitete dem Tertianer einiges Kopfzerbrechen. Kurz entschlossen wanderte er an einem Wochenende von Berlin nach Großbeeren. Jahrzehnte später bezeichnete der Schriftsteller diesen so genannten „ersten literarischen Sündenfall“, auch als seine „erste Wanderung durch die Mark Brandenburg“. Viele weitere sollten folgen.
Im Jahre 1265 wird Teltow das erste Mal urkundlich erwähnt. Damals ahnte wohl noch niemand, welche wechselvolle Geschichte auf den Ort zukommen würde.
1337 taucht das Siegel und heutige Wappen der Stadt erstmals auf. Sie sehen einen roten Adler umgeben von Eichenzweigen und bekroent mit dem Stern der Askanier. Es folgten fünf große Stadtbrände, zwei Pestepidemien und zahlreiche Entvölkerungen durch Kriege. Stellen Sie sich vor, Mitte des 16 Jahrhunderts zählten wir nur noch 27 Ackerbauern und 39 Gärtner in Teltow! Doch wir Teltower ließen uns nicht unterkriegen. Der Ort erhielt den berühmten Teltow-Kanal, einen Flugplatz und sogar einen eigenen Hafen.
Doch am berühmtesten ist bis heute ein kleines unscheinbares Gemüse aus der Region. Das Teltower Rübchen! Schon Johann Wolfgang von Goethe bezeichnete dieses Gemüse als „feinste Rübenart und Leckerbissen“. Ganze Kisten ließ er sich nach Weimar schicken. Der berühmte Dichter entdeckte das Rübchen auf einer seiner Reisen nach Berlin. Die Teltower Bauern brachten die kleine kegelförmige Rübe dort auf Märkten unter die Leute und machten sie so weltberühmt. 2008 wird das Teltower Rübchen in die „Arche des guten Geschmacks“ aufgenommen.
Unsere Kommune wird nun offiziell als „Rübchenstadt Teltow“ betitelt.
2. Altstadt
Die Teltower Altstadt ist eine der wenigen märkischen Ackerbürgerstädte um Berlin, die noch fast vollständig erhalten ist. Wenn wir rings um die St. Andreaskirche unterwegs sind, können wir neben historischen Denkmalen auch viele wunderschöne sanierte Häuser mit verwunschenen Höfen entdecken.
Schauen Sie sich genau um. Sie werden hier zahlreiche kleine Details, typische alte Treppen, Toreinfahrten oder Türen finden. Seit den 1990er Jahren wurde die Altstadt nach und nach saniert.
2007 wurde das Bürgerzentrum eingeweiht. Dadurch konnten am Marktplatz mehrere denkmalgeschützte Gebäude, die so genannte Kuppelmayrsche Siedlung, erhalten und mit moderner Architektur verbunden werden. Übrigens stammen Teile der Gebäude wahrscheinlich noch aus der Zeit Friedrich Wilhelms. Das erste Haus war dabei das sogenannte „Älteste Haus“ aus dem Jahre 1711. Es befindet sich im Hohen Steinweg 13, in dem heute das Heimatmuseum seinen Sitz hat.
3. Heimatmuseum
Wenn Sie vor dem denkmalgeschützten Haus im Hohen Steinweg 13 stehen, betrachten Sie unbedingt die Inschriftentafel über dem Eingang. Sie berichtet vom Schicksal dieses Hauses, sowie der Stadt im Jahre 1711. Der Heimatforscher Horst Stürzebecher übertrug den Text in die heutige Schreibweise. „Nachdem das Städtlein Teltow den 16. Juni 1711 nachmittags um 6 Uhr in Zeit von ca. 4 Stunden bis auf 4 Häuser gänzlich in Asche gelegt, hat Herr Johann Christoph Bürger dieses Haus mit guter Leute Hilfe aus dem Grunde neue erbauet, welche Gott lange in Segen setzen wird."
Zum Glück bauten die Teltower das Haus wieder auf. Im Mai 1997 zog das Heimatmuseum hier ein. Wir möchten Ihnen unbedingt einen Besuch des Museums empfehlen! In zahlreichen Exponaten wird dort detailliert Auskunft über Stadt, über Handwerk und Landwirtschaft gegeben. Historische Ausstellungsstücke erzählen vom Leben der Teltower Ackerbürger. Natürlich werden Sie hier auch auf das berühmte Teltower Rübchen stoßen.
4. Teltower Marktplatz
In den 700 Jahren Teltower Stadtgeschichte hat sich Vieles auf dem Marktplatz ereignet. Im Mittelalter hatte das Marktreiben vor allem eine große wirtschaftliche Bedeutung. 1265 erhielt Teltow das Stadtrecht und damit die Erlaubnis, eigene Märkte zu veranstalten. Die geografische Lage war günstig, denn Berlin lag nur einen halben Tagesmarsch zu Fuß entfernt. Die Händler machten in Teltow Rast und boten ihre Waren auf dem Markt feil, bevor sie weiterzogen.
Damals besaß der Platz noch eine dreieckige Form. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde er mit einem Teich in seiner Mitte verschönert. Grünflächen ringsherum luden damals die Menschen zum Ausruhen ein.
In den 1930er Jahren wurde der Teich entfernt und die Fläche gepflastert. Zur Zeit der DDR gab es dann in der gesamten Altstadt und besonders hier am Markt viele kleine Geschäfte. Der Platz selbst erhielt wieder ein neues Gesicht. Gesäumt von Blumenbeeten, Bäumen und Bänken, zeigte er sich in schlichter Aufmachung.
Auch das 1908 errichtete Stubenrauch-Denkmal wich 1974 dem Denkmal für die Verfolgten des Naziregimes. Seit der Wende hat sich auf dem Teltower Marktplatz vieles getan. Gebäude wurden saniert und das Pflaster erneuert.
In unmittelbarer Nähe der Kirche und der ehemaligen Schule ließen sich die obersten Stadtherren am Marktplatz nieder. Die städtische Verwaltung zog ein. Heute dient das einstige Rathaus als Standesamt. Der Stubenrauch-Brunnen bildet seit 1998 wieder den zentralen Blickfang des Platzes.
5. Stubenrauch-Denkmal
Am 25. Oktober 1908 fand auf dem Marktplatz der Teltower Altstadt die feierliche Enthüllung eines Denkmals statt. Es wurde dem bedeutendsten Landrat des Kreises Teltow gewidmet.
Ernst Leberecht Hugo Georg Colmar von Stubenrauch, so sein voller Name, initiierte während seiner Amtszeit, vom August 1885 bis zum Januar 1908 zum Beispiel den Bau des berühmten Teltowkanals. Das Denkmal geschaffen vom Bildhauer Prof. Lepcke ist leider nur noch als Fragment erhalten. Die fehlenden Seitenteile, zwei Bronzereliefs in Frauengestalt, stellten ursprünglich die beiden Flüsse Havel und Spree dar.
Nach der Wende sprachen sich die Teltower dafür aus, das Denkmal wieder an seinem einstigen Standort aufzustellen. Und so kehrte Ernst von Stubenrauch im Juli 1998 auf seinen angestammten Platz zurück. Heute wird das Denkmal durch zwei Sitzelemente und einen Brunnen ergänzt. Eine gelungene Einladung zum Verweilen, finden Sie nicht auch?
6. St. Andreaskirche
Schauen Sie nur auf die schöne St. Andreaskirche mit dem hohen Turm zwischen den alten Bäumen. Kein Wunder, dass sie ein weithin sichtbares Wahrzeichen unserer Stadt Teltow ist. Das Gotteshaus gilt als ältestes städtisches Bauwerk. Ursprüngliche Teile sind nur noch der Grundriss und die Außenmauern aus dem 13.Jahrhundert. Brandbedingt folgten zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert Neuaufbau und Veränderungen im Stil der Zeit.
Der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel gab der Andreaskirche eine neugotische Form mit klassizistischer Ausrichtung. Doch schon 100 Jahre später musste die Kirche wiederum erneuert werden. Man setzte unter die Kassettendecke ein hölzernes, bunt bemaltes Tonnengewölbe und an die Westseite eine Orgelempore. Die Orgel stammte von der Firma Alexander Schuke aus Potsdam.
Das überlebensgroße Kruzifix stammt vom Tiroler Holzbildschnitzer Franz Tavella und gilt als Hauptzierde des Altarraums. Daran angepasst sind bemalte Flachschnitzereien an Kanzel, Taufe, Empore und Gestühl, vom zugezogenen Bildhauer August Mattausch. Für die ornamentale Bemalung und farbliche Ausgestaltung konnte der Künstler Professor August Öttken aus Berlin gewonnen werden.
Sogar der berühmte Lyonel Feininger hat unsere Kirche verewigt! Auf seinem Gemälde „Teltow II“, können Sie die Ansicht der Kirche bewundern. Das Original hängt übrigens in der Neuen Nationalgalerie in Berlin und ist als Kopie im Teltower Heimatmuseum zu sehen.
In den Jahren 2007 bis 2011 wurde nicht nur das Aussehen der Kirche erfrischt, sie erhielt auch drei neue Glocken.
7. Altes Pfarrhaus
Einen Besuch des aus der Barockzeit stammenden Hauses sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. Trauen Sie sich in das dunkle Kellergewölbe? Dort befinden sich Ausgrabungen von historischer Bedeutung. Zu sehen ist beispielsweise ein alter Backofen. Im Gemeinderaum können Sie eine Fotoausstellung mit dem Titel „Das alte Teltow vor ca. 100 Jahren“ bestaunen.
8. Kriegerdenkmal am Zickenplatz
Gleich neben der Andreaskirche liegt der sogenannte Zickenplatz. Früher weideten unweit von hier die sogenannten „Kühe des kleinen Mannes“. Die Ziegen! Sie wurden von ortsansässigen Handwerkern gehalten. Schauen Sie genau hin, denn dann werden Sie auch heute noch eine Bronzezicke entdecken!
In der Mitte des Platzes steht darüber hinaus ein Kriegerdenkmal. Es wurde 1913 anlässlich der Hundertjahrfeier der Schlacht bei Großbeeren eingeweiht. Entworfen vom Teltower Bildhauer Mattausch, besteht das Denkmal aus Steinfindlingen aus der Mark Brandenburg und dem Harz. Auf dem größten, höchsten Findling, ragt ein griechischer Helm. Der Sockel des Denkmals wird von einem runden Schild mit Medusenhaupt geziert. Dieses Symbol ist der griechischen Mythologie entlehnt. Das Haupt der Medusa war ein Attribut der Göttin Athene, Tochter des Zeus. Es stand für den geordneten Kampf zur Verteidigung der Heimat.
Hinter dem Schild kreuzten ursprünglich noch ein Schwert und eine Lanze. Diese fielen jedoch den Kriegswehen zum Opfer.
9. Kirschblütenallee am ehemaligen Grenzstreifen
Haben Sie sich schon zwischen den 1.100 Kirschbäumen erholen dürfen? Diese wachsen heute auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Teltow und Steglitz-Zehlendorf.
Zu den Bäumen können wir Ihnen eine ganz besondere Geschichte erzählen. Ein japanischer TV-Sender rief 1990 zu einer großen Spendenaktion auf. Es kamen ungefähr 140 Millionen Yen, das sind umgerechnet ca. 1 Million Euro, zusammen. Davon wurden mehr als 9.000 Bäume in Berlin und Brandenburg gepflanzt. 1.100 davon kamen auf den ehemaligen Grenzstreifen. Die Kirschblüten sollen, wie nach Tradition der Japaner, Frieden und Ruhe in die Herzen der Menschen bringen.
Jedes Jahr findet nun in Teltow unter den blühenden Bäumen das Kirschblütenfest statt. Die Veranstalter, die meist von den Anwohnern unterstützt werden, bieten Kaffee und Kuchen, verschiedene Obstweine und kulinarische Leckerbissen an. Wir dürfen Ihnen verraten, dass jedes Jahr im April fernöstliche Atmosphäre, japanische Tänze und traditionelles deutsches und japanisches Kunsthandwerk viele Besucher anlocken. Schauen Sie doch auch einmal vorbei.
10. Der Teltowkanal
Ernst von Stubenrauch trat 1885 als erster bürgerlicher Landrat des Kreises Teltow sein Amt an. Der bürgernahe Stubenrauch erkannte zum Glück schnell, dass eine neue Wasserstraße südlich von Berlin mehrere Probleme lösen konnte. Zum einen könnte so eine neue Wasserader zur einer wirksameren Entwässerung beitragen. Und zum anderen würde sie den Schiffsverkehr zwischen Elbe und Oder verkürzen.
Ende 1900 vollzog Kronprinz Wilhelm im Park von Babelsberg den ersten Spatenstich zum Bau der neuen Wasserstraße. Sie bekam den Namen "Teltowkanal". Der Kanalbau dauerte 6 Jahre. Ganze 12,6 Millionen Kubikmeter Erdmassen wurden bewegt. 42 Lokomotiven und 1.300 Loren wurden dafür benötigt. 3.000 Arbeiter errichteten 55 Wege-, Straßen- und Eisenbahnbrücken, mehrere öffentliche Häfen, ein elektrisches Kraftwerk und die Anlagen für den elektrischen Treidelbetrieb. Am 2. Juni 1906 war es dann endlich soweit: Das Teltower Jahrhunderbauwerk wurde eröffnet. Stellen Sie sich vor: Kein geringerer als Kaiser Wilhelm II. gab sich die Ehre.
Seither verbindet der Teltowkanal den als Glienicker Lake bezeichneten Teil der unteren Havel mit der Spree oberhalb von Grünau.
Dabei führt er durch den Griebnitzsee, das untere Bäketal, den Machnower, Schönower- und Teltower See weiter bis nach Steglitz und schließlich durch das Hochgelände zwischen Lankwitz und Britz.
Der Güterverkehr auf der Wasserstraße stieg in kurzer Zeit auf 3 Millionen Tonnen.
Das Entstehen und Betreiben des Teltowkanals war mit reger Bautätigkeit in seinem Umfeld verbunden. Industrie- und Gewerbezentren schossen wie Pilze aus dem Boden, Straßen- und Schienenwege wurden angelegt, Wohnsiedlungen mit öffentlichen Einrichtungen errichtet. Der Teltowkanal entwickelte sich zur Lebensader. Doch mit dem Ende des zweiten Weltkrieges kam das Aus für Schifffahrt und Treidelbetrieb. Der Teltowkanal wurde streckenweise Landesgrenze und ab 1961 Grenzgebiet.
Erst 20 Jahre später wurde ein Teilabschnitt für den Transitverkehr geöffnet. Nach dem Fall der Mauer begannen umfangreiche Arbeiten. Der Schiffsverkehr konnte fortgeführt und ausgeweitet werden. Die Wasserstraße ist heute in ganzer Länge für Sportboote befahrbar. So finden Sie hier Freizeit-Kanalkapitäne auf schmucken Booten.
Seit 2011 finden Sie gegenüber der Badstraße direkt am Teltowkanal ein besonders lauschiges Plätzchen. Die dort entstandenen Sitzterassen lassen den direkten Blick auf das Gewässer zu und laden insbesondere Radfahrer und Wanderer zum Ausruhen und Verweilen ein.
11. Teltow als ehemaliger Industriestandort / Industriemuseum
Die Wiege der Halbleiterindustrie stand in Teltow.
Wir empfehlen Ihnen zu diesem Thema einen Besuch des Teltower Industriemuseums in der Oderstraße 23 - 25 (www.imt-museum.de). Viele Produkte, Geräte und Anschauungstafeln dokumentieren hier die Geschichte der Halbleiterindustrie. Begonnen hatte alles übrigens mit dem Bau des Teltowkanals im Jahre 1900. Damals siedelten sich die ersten Unternehmen in Teltow an. Bereits 1904 kam eine Porzellanfabrik hierher, welche bald ihr Sortiment auf die zeitgemäßen Isolatoren und später auf drahtlose Widerstände umstellte.
In den Jahren vor 1989 arbeiteten allein in den volkseigenen Betrieben rund 12 000 Menschen. Doch mit der deutschen Einheit hielten die großen Industriebetriebe der Konkurrenz nicht mehr stand. Geblieben sind nur noch einige Klein- und Mittelunternehmen.
Aber auch eine Vielzahl neuer Betriebe sind heute hier wieder ansässig geworden. Insbesondere die Medizintechnik, die Informations- und die Biotechnologie.
12. Schweinemuseum Teltow/Ruhlsdorf
Mögen Sie Schweine? Gegrillt, gebraten oder doch lieber quicklebendig?
Dann können wir Ihnen etwas Außergewöhnliches empfehlen. Das Schweinemuseum im Teltower Ortsteil Ruhlsdorf! Es ist das Einzige in Deutschland, das sich mit dem Nutztier Schwein befasst. Das Museum gibt die historische Entwicklung der Schweinehaltung wieder. Haben Sie keine Scheu, es ist für Laien und Fachleute gleichermaßen geeignet. Hier finden Sie einfach alles über die fälschlicherweise als unsauber bezeichneten Grunzer.
Das Museum befindet sich auf dem ehemaligen Gelände einer Schweinversuchswirtschaft und zeigt Plastiken und Fotoausstellungen. Diese Versuchswirtschaft wurde übrigens 1918 von Karl Müller in Ruhlsdorf gegründet. Acht Jahrzehnte lang beeinflusste diese die gesamte deutsche Schweinehaltung.
13. Denkmal „Die Forderung“ am Hamburger Platz

Der Standort der Skulptur ist mit Bedacht gewählt und soll an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erinnern. Gegenüber vom Hamburger Platz befand sich einst das Tor des Dralowid-Werkes.
Dort hatte sich an jenem 17. Juni 1953 die Belegschaft versammelt, um ein Forderungsschreiben an den damaligen DDR-Ministerpräsidenten Otto Grothewohl zu formulieren. Laut wurden Forderungen gegen die schlechte Versorgungslage, die stetigen Normerhöhungen und die schlechte Wohnungssituation. Aus Protest wurde die Arbeit niedergelegt. Einen Tag später wurde das Dralowid-Werk von der Volkspolizei umstellt und 25 Arbeiter wurden verhaftet und nach Potsdam gebracht. Daraufhin beschlossen die mutigen Frauen der Belegschaft, erst wieder zu arbeiten, wenn die Kollegen wieder zu Hause sind. Die Staatsmacht beugte sich und gab nach. Die Verhafteten kamen frei.
Ein Zeitzeuge hat die Geschichte einer 10. Schülerklasse des Kant-Gymnasiums in Teltow erzählt. Das Thema Volksaufstand wurde im Geschichts- und Kunstunterricht aufgearbeitet. Ein entsprechender Beschluss der Teltower Stadtverordneten gab den Schülern die Möglichkeit, ein Kunstobjekt zu realisieren.
Begleitet wurden die Schüler hierbei von dem Geschichtslehrer Gregor Wilkening und dem Berliner Kunstschmied Thorsten Theel. Entstanden ist aus dieser Zusammenarbeit eine Skulptur, die mit ihren gebündelten Stäben zum Ausdruck bringt, dass man durch Gemeinsamkeit Stärke erreicht.
14. Die Skulptur "Athene" von Markus Lüpertz

Die Skulptur der „Athene“ des international bekannten Künstlers Markus Lüpertz befindet sich auf dem Saskatoon-Platz unweit der Kanada-Allee und verleiht den dort entstandenen Reihen- und Doppelhaushälften im Teltower Mühlendorf seit dem 17.07.2012 einen göttlichen Hauch.
Den großen Kopf dem Betrachter zugeneigt, steht die 350 Kilogramm schwere Göttin „Athene“ auf ihrem Sockel. Dabei wirkt sie wenig feminin, die weiblichen Züge sind lediglich erahnbar. Mit muskelbepackten Beinen und einem üppigen Hinterteil, greift sie sich mit ihrer linken Hand an die Brust und scheint zugleich vollkommen gedankenverloren. Allegorisch weist die kleine Eule zu ihren Füßen auf ihre mythologische Bedeutung. Die Bemalung der Bronze erinnert ebenfalls an die griechische und römische Zeit.
Markus Lüpertz (geboren am 25.04.1941 in Reichenberg) ist Maler, Grafiker und Bildhauer und zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Gegenwart. Seine Werken zeichnen sich durch stetige suggestive Kraft und archaische Monumentalität aus und können größtenteils dem Neoexpressionismus zugeschrieben werden. Dabei beruft er sich in seinen Kunstwerken auf die Gestaltungsprinzipien der kubistischen, expressionistischen und afrikanischen Kunst. Der in Karlsruhe und Düsseldorf tätige Künstler hat seit 2009 sein Atelier in Teltow. Man findet seine Skulpturen größtenteils an bedeutenden Plätzen, wie beispielsweise im Foyer des neuen Berliner Bundeskanzleramtes oder im Bundesgerichtshof in Karlsruhe.
15. Erinnerungsstelen am ehemaligen Mauerweg

Realisiert von der Stiftung Berliner Mauer und gefördert durch die Länder Berlin und Brandenburg wurden auf brandenburgischem Territorium entlang des Berliner Mauerweges anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus am 13. August 2011 29 Erinnerungsstelen errichtet, mit denen an 50 Todesopfer erinnert werden soll!
Die Erinnerungsorte bestehen jeweils aus einem Pfahl, auf dem zwei kurze Texte zum Mauerbau 1961 und zur Zahl der Mauertoten zu lesen sind. Daneben sind ein oder mehrere kleinere Tafeln aufgestellt, auf denen eine kurze Biografie sowie die Fluchtgeschichte des jeweiligen Opfers zu lesen sind. Die Aufstellungsorte sind jeweils möglichst nah an der Stelle, an welcher die Opfer zu Tode kamen. Die Initiatoren des Stelen-Projektes haben auch für die Stadt Teltow unwiderrufliche Orte des Gedenkens geschaffen, die Ihnen als Passanten des Mauerweges die Möglichkeit einräumen, sich an jene mutigen Menschen zu erinnern, die für die Freiheit ihr Leben lassen mussten. Im Gebiet der Stadt Teltow betrifft dies mindestens 6 Menschen. Beispielsweise sind neben einem hohen Pfahl auf zwei Tafeln die Geschichten der Maueropfer Peter Mädler und Karl-Heinz Kube zu lesen.
16. Kleinmachnow
Die Gemeinde Kleinmachnow wurde erstmals 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt. Als Herren des Ortes waren die Brüder Quast vermerkt. Doch rund 25 Jahre später ging der Besitz an die Ritterfamilie Hake über. Diese Hakes bestimmten die Geschicke des Dorfes bis ins 20. Jahrhundert hinein! Doch lassen Sie uns noch ein wenig in die Vergangenheit schauen. Damals lag das Rittergut an der wichtigen Handelsroute und Herrstraße von Wittenberg in Sachsen über Machenow nach Spandau. Erst durch das schnelle Wachstum von Berlin und dem gleichzeitigen Wunsch nach mehr Grün, verwandelte sich Kleinmachnow seit 1920 von einem Rittergut zu einer selbstständigen Landgemeinde - mit völlig neuer Struktur. In der DDR war Kleinmachnow dann von drei Grenzseiten umgeben und nur über die Brücken am Teltowkanal erreichbar. Man kam sich hier vor wie auf einer richtigen Insel.
Apropos Insel: Heute gilt Kleinmachnow als grüne Insel vor den Toren Berlins. Diese Idylle bietet einen großen Anreiz für Prominenz und auch für junge Familien. Stellen Sie sich vor: Es gibt hier mehr Kinder pro Kopf als im Bundesdurchschnitt! Haben Sie nicht Lust auf einen kleinen Rundgang?
17. Badewitzbrücke
Was heißt Treideln? Treideln bedeutet Schiffe ziehen.
In Kleinmachnow musste diese schwere Arbeit zum Glück nicht von Menschen verrichtet werden. Hier auf der von 1904-1906 errichteten Badewitzbrücke befand sich neben Fahrbahn und Gehweg auch ein Schienengleis. Südwestlich der Brücke gab es mal eine Halle für diese sogenannten Treidel-Lokomotiven. Sie zogen die Schiffe im Teltowkanal.
Die Badewitzbrücke verdankt ihren Namen übrigens dem Dr. jur. Gottfried von Badewitz. Er war einer der bedeutendsten Personen, die am Kanalbau beteiligt waren. Im April 1945 wurde die Badewitzbrücke dann von der deutschen Wehrmacht gesprengt.
Bis 1950 nutzten Fußgänger die angebrachten Holzstufen zum Erreichen des anderen Ufers. Östlich daneben verlief eine Notbrücke.
Sie diente bis 1977 dem Fußgänger- und Radfahrverkehr.
Danach wurde auf den Grundpfeilern der „Badewitzbrücke“ eine Stahlbrücke von fünf Metern Breite errichtet. Diese wurde nach dem Krieg in Friedensbrücke umbenannt. Von der ursprünglichen Badewitzbrücke ist lediglich ein kleines Geländerteil übrig geblieben.
Es wurde von dem Kleinmachnower Siegfried Saupe „gerettet“ und lagerte Jahrzehnte lang in seinem Garten. Im Jahre 2006 restaurierte es die Kleinmachnower Firma Dietrich Lenz.
18. Die neue Hakeburg
Auf dem nahen Seeberg thront ein Wahrzeichen Kleinmachnows: die „Neue Hakeburg“. Von 1906 bis 1908 ließ Dietloff von Hake sie als Herrenhaus mit einem Torhaus errichten. Architekt war Bodo Ebhardt, ein damals sehr gefragter Burgenspezialist.
Finden Sie nicht auch, dass die trutzige, im neoromanischen Stil errichtete Burg den Geist der damaligen Zeit wiederspiegelt? Die Burg erlebte später allerdings eine wechselvolle Geschichte. Wegen angeblicher finanzieller Probleme verkaufte Dietloff von Hake die Burg 1936 an das Reichspostministerium.
Das Gebäude wurde attraktiver Wohnsitz des Reichspostminsters Wilhelm Ohnesorge. Nach dem 2. Weltkrieg diente es kurzzeitig der Unterbringung von militärischen Sonderabteilungen. In unmittelbarer Nachbarschaft ließ der Postminister auf dem Seeberg die Reichspostforschungsanstalt errichten. Bei Gründung 1937 umfasste die Forschungsanstalt 14, bei Kriegsende 50 Sachgebiete, wie Hochfrequenztechnik, Atomphysik für militärische Zwecke, Radartechnik, fernsehgestützte Raketen- und Panzersteuerung, Infrarottechnik für Nachtsichtgeräte und Nachtjägerleitverfahren, Abhörtechnik, sowie Ver- und Entschlüsselung von Geheimcodes, usw., usf. Der Abteilung Abhörtechnik ist es im März 1942 sogar gelungen, die transantlantischen Gespräche zwischen den USA und England zu entschlüsseln, so dass zum Beispiel Informationen zur Bildung einer zweiten Front oder zum Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten im Deutschen Reich bekannt wurden. Zu DDR-Zeiten wurde auf dem Gelände die Parteihochschule etabliert. Außerdem avancierte die neue Hakeburg zum Sitz des „Juliot Curie“-Clubs und dann zum Gästehaus der SED. Denken Sie nur, hier verweilten schon so illustere Gäste, wie Fidel Castro, Jassir Arafat und Michail Gorbatschow. Nach der Wende diente die neue Hakeburg dann als Veranstaltungsort und Restaurant.
19. Kleinmachnower Schleuse
Am 22. Dezember 1900 erfolgte der erste Spatenstich für den Bau des Teltowkanals durch Kronprinz August Wilhelm.
Bereits 1901 wurde der Grundstein für die Schleuse in Kleinmachnow gelegt. Nur fünf Jahre später wurde sie durch Kaiser Wilhelm II. feierlich eröffnet. Das war ein Grund zum Jubeln! Von Anfang an war sie ein beliebtes Ausflugsziel für Berliner und Brandenburger. Die vielen Besucher kamen erst mit der Kutsche und später mit dem Auto. Und seit 1905 kamen sie aus Berlin bis zur Schleuse mit der Straßenbahn. Derart gut besucht, bekam Kleinmachnow sogar den Titel „Naherholungszentrum erster Ordnung“ zugesprochen. Kein Wunder, oder? Auch der Schiffsverkehr nahm ständig zu. Deshalb wurde 1939 eine dritte Schleusenkammer gebaut. Mit den Abmaßen von 85 Meter Länge und 12 Meter Breite konnten nun Schiffe bis 1000 Tonnen geschleust werden. Imposant, finden Sie nicht.
Ab 1943 wuchs die Gefahr durch die Bombenangriffe auf Berlin und Umgebung. Deshalb füllten wir die neu gebaute Nordkammer mit Kies und vor das Obertor der Südkammer setzten wir eine Spundwand.
Zum Glück blieb die Schleusenanlage von Bombenabwürfen fast unversehrt. Doch 1948 wurde der Schleusenbetrieb durch die Sperrung des Teltowkanals eingestellt und erst rund 30 Jahre später wieder aufgenommen. Seit 2005 ist die Schleusenbrücke wieder befahrbar.
20. Straßenbahn 96
Der Straßenbahnwagen stammt aus dem Jahr 1938. Er ist ein Teil der Bahn Nummer 96, die einst die Behrenstraße in Berlin Mitte und Tempelhof mit Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow verband. 1887 wurde eine 5 km lange Straßenbahnstrecke von Groß-Lichterfelde, heute heißt es Lichterfelde-Ost, nach Teltow gebaut. Sie war zunächst eingleisig und benötigte eine Fahrzeit von 30 Minuten. Vier Jahre später wurde die Strecke dann bis Stahnsdorf und 1905 bis zur Machnower Schleuse verlängert. Sehr kraftvoll fuhren die Dampffahrzeuge damals nicht gerade. die leichte Steigung in Seehof konnte nicht immer sofort genommen werden. Deshalb wurde die Bahn von uns auch als „Lahme Ente” bezeichnet. Zum Glück wurde die Bahn dann 1907 auf elektrischen Betrieb umgestellt. Ab 1930 fuhr sie dann als Linie 96. Doch mit dem Bau der Berliner Mauer wurde der Straßenbahnbetrieb leider eingestellt.
21. Bäkemühle
Die Bäkemühle war ursprünglich eine Wassermühle. Sie wurde 1410 ersturkundlich erwähnt und im 30-jährigen Krieg vollständig zerstört. Zum Glück ließ sie Ernst Ludewig Hacke anno 1695 wieder aufbauen. Das können Sie übrigens im Treppenhaus der Bäkemühle auf der Originalsandsteintafel nachlesen. Im Jahr 1800 erhielt die von der Bäke gespeiste Wassermühle zusätzlich zum Betrieb eine Holländer Windmühle. Nach dem Tod Wilhelm von Hakes wurde die Mühle aus wirtschaftlicher Not an den Amtmann Wenderich verpachtet. Erst 1856 übernahmen die Hakes wieder die Bewirtschaftung. Mit dem Bau des Teltowkanals verlandete der Fluss leider und die Mühlenräder blieben stehen. Die Bäkemühle verfiel und - denken Sie – 1979 sollte sie gar gesprengt werden. Doch durch unseren Bürgereinsatz konnte das zum Glück verhindert werden. Nach langer Instandsetzung und Sanierung erstrahlt die historische Mühle heute in neuem Glanz. In ihrem Inneren befindet sich eine Gaststätte mit Mühlenstube und Saal.
22. Alte Hakeburg
Heute vermitteln nur noch Fundamente und Gewölbe einen Hauch von dem geschichtsträchtigen Gebäude, welches hier eigentlich einmal stand. Anfang des 15. Jahrhunderts erwarb die Familie Hake die bereits existierende Burg und ließ sich hier nieder. Für das vermutlich aus dem Thüringischen stammende Adelsgeschlecht wurde das damals so genannte Machenow über 500 Jahre „Wiege und Grab, Zuflucht und Heimat“ Marschmusik. Im 2. Weltkrieg wurde die alte Burg dann durch Phosphorbomben vollständig zerstört. Ehrgeizige Pläne für den Wiederaufbau liegen leider bis heute auf Eis.
23. Dorfkirche Kleinmachnow
An der Dorfkirche Kleinmachnow findet sich neben dem 1684 aufgeführten Eingangstor ein eingelassenes Steinkreuz. Es erinnert an die Sühne eines Hake. Dieser Ritter erschlug seiner Zeit einen Junker von Schlabrendorf im Streit. Finden Sie nicht, dass hier eine ganz besondere Atmosphäre herrscht?
Schon Fontane empfahl deshalb, dass die Besucher Kleinmachnows „an der alten, efeuversteckten Kirche und an dem Steinkreuz des gefallenen Schlabrendorf nicht vorübergehn“ mögen.
Während Sie nun diese empfohlene Schönheit auf sich wirken lassen, möchten wir Ihnen etwas über die Geschichte und die kulturhistorischen Schätze des Gotteshauses erzählen:
Die Arbeiten an dem einschiffigen spätgotischen Backsteinbau begannen vermutlich um 1500. Sie wurden insgesamt aber nur zögerlich weitergeführt. Davon zeugen der feldsteinerne Unterbau und die in unterschiedlichen Schichten vermauerten rötlichen und gelblichen Ziegel. Diese Ziegel sollen übrigens der Sage nach zwei rivalisierende Schwestern darstellen. Die Frauen wollten so ihren Bauanteil sichtbar machen.
Doch schauen wir nun in die Kirche hinein. Das in fünf Joche geteilte Schiff wird von einem sternförmigen Netzgewölbe überspannt. Die Inschrift an der Orgelempore lautet „Casparus Jacke Mauer Meister zu Potstamp 1597“. Sie verrät somit das wahrscheinliche Jahr der Fertigstellung. Besonderen Wert besitzt der doppelflüglige Schnitzaltar. Er stellt im Mittelschrein das Abendmahl dar. Die inneren Flügel zeigen Szenen aus der Passionsgeschichte. Auf den Außenseiten können Sie Episoden aus dem Leben Jesu anschauen. Der Künstler hat sich auf der Rückseite als Hans Zinckeisen anno domini 1599 verewigt. Seit 2007 ist das erneut restaurierte Kunstwerk wieder vollständig zu sehen. Das achteckige Taufbecken mit dem reich verzierten hölzernen Oberteil wurde im gleichen Jahr von Zinckeisen fertiggestellt. Das Becken steht auf einem Sandsteinsockel. Jetzt schauen Sie doch mal auf die imposante Kanzel. Sie stammt aus dem 16. oder 17. Jahrhundert.
An der Außenwand der Kirche befinden sich Grab- und Gedenktafeln für Angehörige des Patronatsgeschlechts. Sie ruhen in der Grabkapelle und im abgeteilten Friedhof derer von Hake.
Versäumen Sie es nicht, beim Verlassen des Friedhofs zum gegenüberliegenden Medusentor zu gehen - dem damaligen Eingang zum Gutshof; dem blühenden Zentrum des Ritterguts derer von Hake. Links und rechts vom Tor finden Sie Informationstafeln, die Ihnen einen Eindruck von den historischen Bauten vermitteln. Sie sehen Ansichten des Kleinmachnower Schlosses, der alten Hakeburg und dem Taubenturm.
24. Panzerdenkmal
Das alte Panzerdenkmal erinnert an den ersten Panzer der Roten Armee, der 1945 über die Glienicker Brücke rollte. Sie werden sich vielleicht fragen, wo steht denn hier ein Panzer?
Den Originalpanzer nahmen die in den 1990 er Jahren abziehenden GUS-Truppen einfach wieder mit. Stattdessen steht heute eine Schneefräse auf dem mit Graffiti bemalten Sockel. Dieser Zustand sorgt immer wieder für hitzige Debatten. Die Idee mit der Fräse stammt übrigens von dem Künstler Eckhard Haisch. Er fand das ausrangierte Gerät an der alten Autobahnabfahrt Potsdam. Haisch versah es kurzerhand mit einem knalligen Pink und stellte es auf den leeren Sockel. Die Behörde sah darin Parallelen zum Denkmal des Widerstandes in Prag und außerdem eine Interpretation des „Schwerter zu Pflugscharen“-Mottos. Sie befanden Fräse samt Sockel für schutzwürdig. Und was meinen Sie?
25. Checkpoint Bravo
Der ehemalige Checkpoint Bravo wurde ab 1949 zum Zwangs-Stopp für alle Transitreisenden. Der hier noch stehende Turm dient heute als Veranstaltungsort der politischen Bildung und als Begegnungsstätte für Menschen mit unterschiedlichen deutschen Biographien. Eine Dauerausstellung zeichnet die Geschichte dieses Ortes auf interessante Weise nach. Wir empfehlen Ihnen unbedingt einen Besuch des Museums!
26. Dreilinden
1909 wurde die sogenannte „Kolonie Dreilinden GmbH“ ins Berliner Handelsregister eingetragen. Stellen Sie sich vor, das gesamte Gebiet westlich des Stahnsdorfer Damms sollte damals in eine Villenkolonie verwandelt werden. Allerdings wurde bis 1913 nur die Station Dreilinden an der „Friedhofsbahn“ Wannsee –Stahnsdorf gebaut. Erst ab 1922 begann die Besiedlung der Kolonie. Nach dem Bau der „Mauer“ war der Ortsteil Sperrgebiet und so von der Umgebung isoliert. Damals befanden sich dort drei Grenzübergangsstellen.
An diese Zeit erinnern heute nur noch zwei ehemalige Wachtürme. Einer der Türme steht im Europarc Dreilinden und ein anderer auf dem Gelände des „Hotel und City-Camping“ am Bäkehang. Doch lassen Sie uns nun von diesem traurigen Kapitel deutscher Geschichte in die Gegenwart wandern. Wir möchten Ihnen gern die von hier aus führenden reizvollen Wanderwege in Richtung Wannsee empfehlen. Dort gibt es zwar das Jagdhaus Dreilinden nicht mehr. Dafür laden aber die Försterei gleichen Namens und andere Sehenswürdigkeiten zum Entdecken ein. Haben Sie nicht Lust bekommen?
27. Stahnsdorf
Wir befinden uns jetzt in Stahnsdorf. 1264 wird der Ort das erste Mal in einer Kaufurkunde als „Stanesdorp“ erwähnt. Nach dem 30-jährigen Krieg lag es dann erst mal in Schutt und Asche.
Stellen Sie sich vor, damals fand der Landreiter des Kreises Teltow nur noch einen gebürtigen Stahnsdorfer, sowie 5 Kossäten, einen Sohn und 2 Knechte vor. Der Wiederaufbau ging nur langsam voran. Auch die Kriegsschäden an der Dorfkirche waren erst 48 Jahre später beseitigt. Danach stieg die Bevölkerung langsam aber stetig an.
1909 wurde in Stahnsdorf ein neuer Südwestkirchhof errichtet. Heute besuchen dort jährlich tausende Touristen die Grabstätten berühmter Persönlichkeiten. Wussten Sie, dass im Jahr 2004 sogar die englische Königin auf dem Südwestkirchhof weilte?
28. Dorfkirche Stahnsdorf
Die Dorfkirche Stahnsdorf, diesen dreigliedrigen spätromanischen Feldsteinbau, bauten die Stahnsdorfer gemeinsam mit Zisterziensern aus Lehnin. Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert besteht aus einer kleinen halbrunden Apsis mit eingezogenem quadratischen Chor und einem geräumigen rechteckigem Schiff. Denken Sie nur, dass Gebäude war so wehrhaft, dass die Stahnsdorfer ihre Dorfkirche sogar als Zufluchtsstätte in kriegerischen Zeiten benutzten. 1779 kam auf der Westseite ein verbrettertes Dachtürmchen dazu. Heute beherbergt es die kleine, 2003 restaurierte Bronzeglocke und eine Stahlglocke aus der Nachkriegszeit. Die Bronzeglocke stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert.1860 wurde vor das Priesterportal an der Nordseite der Kirche eine Sakristei gebaut. An der Außenwand befindet sich eine Tafel, die vom Wiederaufbau des Gotteshauses nach dem Dreißigjährigen Krieg unter Hakeschem Patronat berichtet.
Die Hauptzierde des Innenraums ist übrigens der dreiflüglige spätgotische Holzaltar. Vermutlich schufen ihn böhmische Künstler zu Anfang des 15. Jahrhunderts. Der geschnitzte Schrein zeigt als bunt bemalte Flachfigur Maria mit dem Jesuskind. Sie wird flankiert von einem segnenden Bischof und der Heiligen Katharina. Auf den Flügeln umkränzen sie die Heilige Dorothea und die Heilige Barbara.
Übrigens legte man hier bei den Restaurierungen in den 1980er Jahren an den Wänden Weihekreuze mit stilisierten Lilien frei. Solche Lilien waren bei den Zisterziensern üblich.
In den 1990er Jahren wurde der Sockel der Barockkanzel restauriert. Finden Sie nicht, dass hier in der Kirche, die Verbindung von neu und alt gelungen ist?
29. Parforceheide
Diese sogenannte Parforceheide ist eines der letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete in Berlin-Brandenburg. Um die 2350 Hektar sind heute als „Landschaftsschutzgebiet Parforceheide“ ausgewiesen. Der Name geht übrigens bis auf die Parforcejagden von König Friedrich Wilhelm I. zurück. Der Soldatenkönig entdeckte dieses Gelände zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Es war ideal, da es nur wenig Unterholz gab. Ungefähr 100 Quadratkilometer ließ der König zwischen 1725 und 1729 für seine Hetzjagden herrichten. Das Besondere an der Parforceheide waren die trockenen Sandböden mit lichtem Kiefernbestand. So konnten breite Schneisen für die Jagd gut durch das Holz gezogen werden. Rund sieben Kilometer entfernt vom königlichen Stadtschloss entstand dann hier ein zentraler Platz. Am Ende führten 16 Schneisen sternenförmig in den Wald hinein. Sie trugen Namen wie „Priestergestell“, „Breites Gestell“ oder „Turmgestell“. Übrigens ist dieser Stern auch heute noch zu erkennen. Er gehört inzwischen zum nach ihm benannten Potsdamer Ortsteil.
30. Südwestkirchhof Stahnsdorf
"Ein Stück märkischen Waldes, parkartig behandelt, die Gräberplätze weit auseinander, herrlich, schön, friedlich."
Mit diesen Worten beschreibt Victor Klemperer einen Ort, der in Deutschland, ja sogar in Europa seines Gleichen sucht. Beschrieben ist der Südwestkirchhof Stahnsdorf, ein Friedhof der weit mehr ist als ein Ort der Bestattung. Wie in einem Freiluftmuseum ist dort die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts mit all ihren Höhen und Tiefen dokumentiert. Der Südwestkirchhof Stahnsdorf ist ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch, in dem man etwas über Menschen erfahren kann die dort zu Grabe getragen wurden denn: ohne Siemens kein elektrischer Aufzug, ohne Langenscheidt kein Fremdwörterbuch, ohne Ludwig Schuch kein "Wintergarten", ohne Carl Ludwig Schleich keine Anästhesie, ohne Zille kein "Milljöh", ohne Ralph Arthur Roberts keine "Reeperbahn nachts um halb eins", ohne Lovis Corinth keine Walchenseelandschaften, ohne Ullstein keine BZ, ohne Gustav Kadelburg kein "Weißes Rößl", ohne Julius Wissinger kein Mäzenatentum und ohne Elisabeth Baronin von Ardenne keine "Effi Briest".
Als um 1900 der Platz auf den Berliner Kirchhöfen knapp wurde, musste die Evangelische Kirche Friedhöfe "jot we de" schaffen. Sie kaufte südlich des Teltowkanals 206 Hektar Wald und Ackerland, auf dem die 21 evangelischen Gemeinden Berlins und Brandenburgs ihr Begräbnisland erhielten. Damit die Berliner dorthinaus bequem reisen konnten, baute die Kirche vom S-Bahnhof Wannsee eine "Friedhofsbahn" mit den Stationen Dreilinden und Friedhof-Stahnsdorf. Die erste S-Bahn fuhr am 3. Juni 1913, die letzte am 13. August 1961.
Mit dem „Südwestkirchhof der Berliner Stadtsynode“ hat der Garteningenieur Louis Meyer 1909 ein Meisterwerk vollbracht. Er gestaltete eine beeindruckende Verbindung von Landschaftspark und Friedhofsarchitektur. Obwohl das Gelände mit einem enormen Baumbestand aufwartete, wurden noch Tausende von Birken, Ahorne, und Buchen gepflanzt. Efeu, Eibe, Buchsbaum, Wacholder, Rhododendren kamen als Symbole für Unsterblichkeit hinzu. Das Immergrün hat inzwischen von Steinen, Hölzern, Skulpturen, Mausoleen, Kolonnaden, Treppen und Stufen Besitz ergriffen. Eine Synthese aus Landschaft und Architektur hat ein faszinierendes Gesamtkunstwerk entstehen lassen - ein Ort der Superlative: einer der größten Waldfriedhöfe mit bedeutenden Denkmalen der Bestattungskunst und Ruhestätten herausragender Persönlichkeiten.
Der Ort lag über Jahrzehnte im Dornröschenschlaf. Als Tourist kam man in den Mauerjahren nicht hin und als toter Berliner durfte man sich auf dem eigenen Gemeindefriedhof nur nach Genehmigung durch den Rat des Bezirkes Potsdam beerdigen lassen. Was für die Langenscheidts, Ullsteins und Zilles "In" war, war für die West-Berliner nun "Out".
Stahnsdorf gehört neben Venedigs Toteninsel San Michele, dem Wiener Zentralfriedhof und Père Lachaise in Paris zweifellos zu den Grandhotels der internationalen Begräbnisstätten. Was dort längst zur touristischen Pflicht gehört, muss sich hier erst wieder herumsprechen. Vor den Toren der Hauptstadt wurde manches bewahrt, was mit der Zeit an den Rand oder gar in Vergessenheit geraten ist.
Der Ort strahlt Unbeschwertheit aus. Wege und Alleen laden zum Flanieren ein, Lichtungen und Plätze zum Verweilen. Immer wieder geben Sichtachsen den Blick auf Wälder, Felder und Heide frei. Die norwegische Holzkirche im Jugendstil, Denkmale, Wetterhäuschen, Brunnen und Plastiken erfreuen das Auge - ein Friedhof und doch auch kein Friedhof, ein Ort, dessen Atmosphäre noch jeden Besucher beeindruckt. "Wenn ick mal tot bin, is mein schönster Tach", würde die Diseuse Blandine Ebinger singen.
Robert Musil brachte es bereits auf den Punkt: „Auch Denkmäler sollten sich heute, wie wir es alle tun müssen, etwas mehr anstrengen! Ruhig am Wege stehn und sich Blicke schenken lassen, könnte jeder; wir dürfen heute von einem Monument mehr verlangen.“
Heute ist es der Förderverein Südwestkirchhof Stahnsdorf e.V. der regelmäßig Führungen über die Anlage veranstaltet und die Besucher zu den Gräbern der Komponisten Hugo Distler, Engelbert Humperdinck, Jean Kurt Forest, Ralph-Arthur Roberts und Richard Eilenberg, der Verleger Gustav Langenscheidt und Louis-Ferdinand Ullstein, der Künstler Lovis Corinth, Heinrich Ilgenfritz und Heinrich Zille, der Schauspieler Max Adalbert und Joachim Gottschalk, Emanuel Reicher und Oscar Sauer, der Journalisten, Schriftsteller und Übersetzer Siegfried Jacobsohn, Gustav Kadelburg, Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Paul F. Schlesinger "Sling" und August Stramm, der Erfinder und Entdecker Georg Graf von Arco, Karl-Ludwig Schleich und Werner von Siemens, der Widerstandskämpfer Rudolf Breitscheid und Hanno Günther, der Kirchenleute Georg Stuhlfauth und Friedrich Weißler, des Naturschützers Hugo Conwentz, des Direktors des Wintergarten Ludwig Schuch, des Filmregisseurs F. W. Murnau und schließlich zu Elisabeth Baronin von Ardenne deren Lebensgeschichte Theodor Fontane für "Effi Briest" diente, führt.
So viele Namen, so viele Geschichten, so viele Erinnerungen. Ein Kulturdenkmal welches ohne die Unterstützung interessierter Menschen langfristig nicht erhalten werden kann. Deshalb versucht der Förderverein des Südwestkirchhofs die Geschichte dieses Ortes näher zu bringen und damit Sensibilität zu wecken. Nur durch eine Mitgliedschaft im Förderverein und zusätzliche finanzielle Unterstützungen wird es dem Verein gelingen, dieses Kleinod zu erhalten.
Förderverein Südwestkirchhof Stahnsdorf e.V.
Bahnhofstraße
14532 Stahnsdorf
Tel.: 03329-614106
Fax.: 03329-614107
e-Mail: infono-spam.suedwestkirchhof.no-spam.de
Ansprechpartner: Olaf Ihlefeldt / Öffentlichkeitsarbeit
Veranstaltungen:
www.suedwestkirchhof.de
Jeden ersten Samstag eines Monats finden kunst- und kulturhistorische Führungen über den Südwestkirchhof statt. Die Führungen beginnen um 10.00 Uhr und 14.00 am Haupteingang in der Bahnhofstraße und dauern etwa 2 Stunden. Jeden zweiten Samstag im Monat um 14.00 Uhr, laden wir zu speziellen Führungen für Kinder und Jugendliche ein
Von März bis Dezember finden klassische Konzerte in der norwegischen Holzkirche statt. Die Termine und das Programm können unter den o.g. Kontaktnummer erfragt werden.































































