Imposante Kapelle in neuem Gewand

Nach mehrjähriger Sanierung sind die Arbeiten in der beeindruckenden Wendland-Kapelle abgeschlossen. Der Ersatzbau soll für Kunstveranstaltungen genutzt werden.

Das Dach ließ durch, an der Isolierung haperte es, zuletzt gab es große Probleme mit Kälte und Feuchtigkeit: In diesem Zustand befand sich die Wendland-Kapelle auf dem großen Friedhofsareal am Weinbergsweg noch vor wenigen Jahren. Nun steht sie nicht mehr nur im Zentrum des rund vier Hektar großen Geländes, sondern zeigt sich endlich mit frischem Antlitz. Denn in der Kapelle, die der Architekt Winfried Wendland (1903 bis 1998) einst entwarf und die am 5. August 1934 eingeweiht wurde, konnte nun, 83 Jahre später, die dringend notwendige Sanierung abgeschlossen werden. „Passend im Luther-Jahr wurde dieses architektonische Kleinod poliert“, wie Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt bemerkte. „Ich wünsche mir gute Begegnungen untereinander für die neue alte Friedhofskapelle."

Tatsächlich ist die Kapelle schon recht betagt – seit 2011 steht sie auch auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg. Als charakteristisches Beispiel für den Sakralbau der 1930er Jahre besitzt die Teltower Kapelle baugeschichtliche, künstlerische und wissenschaftliche Bedeutung, heißt es in der Begründung der Landesdenkmalpflege. Der rote Klinkerbau zeigt Elemente traditioneller Architektur, aber auch solche der sachlichen Moderne und des Expressionismus. „Unsere Kapelle verzichtet auf reiche Verzierungen und auf große Schmuckstücke. Sie ist, und das freut mich sehr, auch nach der Sanierung in ihrer Schlichtheit erhalten geblieben. Dennoch findet man in ihr bedeutende Kunst“, erklärte Thomas Karzek, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde St. Andreas Teltow. Wie wahr – denn tritt man als Besucher in das Gebäude ein, findet man sich in einem unerwartet großzügigen sakralen Raum wieder, der mit einer Reihe bullaugenartiger Rundfenster und den gewaltig hohen steilen Satteldächern einem umgekehrten Schiff gleicht. Interessant und rätselhaft erscheint auch das Mosaikkreuz hinter dem Altar an der Nordwand. Wie eine Projektion liegt darüber der Spruch: „Wer da lebt und glaubt an mich wird nimmermehr sterben."

Auf rund 800 000 Euro beliefen sich die Kosten der Sanierung. Laut Architektin Sibylle Stich sei die Finanzierung rund zur Hälfte über die Stadt Teltow erfolgt, der andere Teil sei über den Landkreis, Bundesförderung, Eigen- und Kirchenmittel gestemmt worden. Als „Wendland-Ersatz“ diente während der Bauzeit die benachbarte Holzkapelle, die im Jahre 2015 aus der Kirchengemeinde Häsen im Löwenberger Land nach Teltow umgesetzt worden war. Nun, da die Arbeiten abgeschlossen sind, darf der kleine Holzbau dennoch an Ort und Stelle verbleiben. „Wir möchten darin Lesungen und Kunstausstellungen durchführen“, so Pfarrer Karzek. Denn künftig sollen nicht nur Gottesdienste und Bestattungen angeboten werden, sondern auch angemessene kulturelle Veranstaltungen. Besinnung, seelsorgerische Angebote und Erholung seien wichtige Ansätze. Der Friedhof als kultureller Ort, das gefällt auch Landrat Wolfgang Blasig. Er bezeichnete die Friedhofskapelle als einen "Ort der Begegnung und des Lebens." Dass die Symbiose von Kultur und Gedenken möglich sei, zeige etwa der Stahnsdorfer Südwestkirchhof.

Darüber hinaus wurde im Rahmen des ökumenischen Gottesdienstes ein weiteres Projekt laut – eine Glocke für den Friedhof nämlich. „Viele vermissen den Glockenklang, der die Trauergesellschaft begleitet. Nun hat sich unerwartet eine Glocke gefunden – eine Dauerleihgabe des Teltower Bethesda. Allerdings fehlt dafür noch der Glockenstuhl“, erläuterte Pfarrer Karzek. Dies werde der nächste Kraftakt im Projekt Friedhofskapelle sein. Eine durchaus notwendige Anschaffung für eine solche Begegnungsstätte, schließlich „erinnern uns diese Orte daran, dass unser Leben endlich ist – und sind deswegen unendlich sinnvoll“, brachte es der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf, Johannes Krug, auf den Punkt.

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